Essays


Ich bin Weltgesellschaft. Ich bin Weltgesellschaft, so wie ich da sitze: als Monade hinter meinem Bildschirm, von der Revolution abgekoppelt durch die demokratische Blase, die mich umgibt. Ich brauche kein autokratisches System niederschlagen, ich muss keinen Diktator stürzen, ich habe mit dem Kampf gegen ein tyrannisches System nichts am Hut. Aber ich bin involviert, indem ich davon lese. Ich lese davon, weil auch ich Welt bin. Ich bekomme die Ereignisse in Echtzeit in mein Wohnzimmer. Die Vögel zwitschern es von allen Dächern. Ich bin Welt und alle meine Fb-Freunde sind es auch. Mit diesem Gefühl drehe ich mich um. Und starre in die Leere. Um mich herrscht Einsamkeit. Was muss ich tun? Muss ich etwas machen?.

(aus: Wie weit steht es um unsere Empörung?, DER STANDARD 2011)